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Kapitel   VII

Bergesspitzen sich erheben
aus lichtdurchtränkten Nebelschwaden;
hohem Gipfel gilt das Streben,

den Rücken =* fast schon überladen.
Herrlich, stehst * zum ersten Mal
auf der Höhī mit ziehend^ Waden;

die Hänge sind dort oben kahl,
doch Gebilde formtī die Erde,
`~ schöner als des Schmiedes Stahl.

Spürt man nicht das "stirb und werde"?
Tom, der ganz in sich vertieft ~,
betrachtīt im Tal die wilden Pferde.

Die Luft ~ so rein, von nichts versieft,
* duftet nach alpiner Würze;
wer dann die Last vom Buckel hievt,

erlebt in allergrößter Kürze,
wie man im Geist zum Himmel fliegt.
Fern sieht man die Gletscherstürze,

wenn der Druck Gestein besiegt;
und von nah die Wasserfälle,
wenn der Fels sich einwärts biegt.

Tom ruht an `ner schönen Stelle,
wo die Wand trifft auf den Pfad;
sie erscheint wie eine Schwelle,

der Rundblick ~ fast dreihundert Grad.
Ein Klettīrer läuft wie eine Spinne
- seinī Füße ~ schneller als ein Rad -

die Felsen hoch, als wärī die Minne
seines Herzens gipfelwärts.
Nun schon steigt er aus der Rinne,

macht zu Tom hin einen Scherz;
Atem holend, ausgepumpt,
ißt er hastig seinen Sterz.

Tom, der diesmal kurz verstummt ~
ob dessen Leistung, meint: "Berg Heil!
Hättest gestern Du gelumpt,

bräuchtest * eine lange Weilī,
bis Du hier heroben bist.
Aber wie Du ohne Seil

heraufgestürmt ~, die Fahne hißt,
das ist schon sehr bewundernswert;
als ob ein Gott sich mit Dir mißt."

"Mich niemand Technik hat gelehrt,
* habīs mir selber beigebracht;
dīrum bin ich überall geehrt.

° Vertreter einer Bergesmacht,
die jede Felsenwand bezwingt,
gewinne ich hier jede Schlacht,

bei der ein Siegespodest winkt.
Doch manchmal eine Furcht steigt auf,
daß mein Stern auch wieder sinkt;

ich weiß, es ist der Zeiten Lauf,
daß alles wieder niedergeht.
Ständig nehmī ich schon in Kauf,

zu klettern ohne jedīs Gerät,
benutzend jede kleinste Spalte.
Mein Gefühl im Feuer brät:

von den Siegen nichts ich halte
zwischen meinen starken Händen;
da bleibt nur die nackte, kalte

Ehrung, - Freuden, die bald enden.
Trotzdem treibtīs mich immer wieder,
- * wüßtī gern, wie ich könntī das wenden -,

als wärī ich kleinlich, spießig, bieder,
zu immer größīrer Leistung an.
Ich wolltī, ich könnte singen Lieder,

wie den Ehrgeiz stoppet man."
Ratlos hängt die Schulter tief.
"Gehī von andīrer Seite dīran:

Erfolg ist wie ein dicker Brief,
- die Adressī ~ von Dir bestimmt;
der Segen hängt dabei nur schief,

wenn man allīs für sich einnimmt,
und auch durch sich nur allīs erhält.
Würzig istīs, so wie das Zimt,

wenn Dir Sieg auf Sieg zufällt;
bedenke wohl: der große Schmerz
nur dann in Deiner Geistwelt gellt,

hängst Du an`n Triumph Dein Herz.
Zu ehren ständig seine Stättī,
ist wie zu nähren eine Kerzī

nur aus seinem eigīnem Fett.
Physisch hast Du ja schon Stärke;
doch es wäre richtig nett,

gingest Du an Deine Werke,
ohnī Deinī Seelī daran zu hängen.
Durchdenkī es wohl, und auch bemerke,

wo Du getrieben bist von Zwängen,
die Dein Denken Dir diktiert.
* Säßest bald in höherīn Rängen,

hättest Du Dich nicht geziert,
innīre Stärke zu entwickeln.
Denn ein Mensch nur dann verliert,

wenn Zeiten allī Gewinnī zerstückeln,
und das Gefühl an Teilen hängt.
Laß Dich nicht mehr so verwickeln,

wenn man Achtung Dir oft schenkt;
sonst bleibst Du dauerhaft dīnach süchtig,
- das Deine weitīren Schritte lenkt.

Lerne lieber strebsam, züchtig,
den Wert von Allem zu erkennen;
irdīsche Augenblickī sind flüchtig,

doch im Geiste Lichter brennen,
-` durch selbstlos^ Dienen oft entzündet ~ -,
die man dauerhaft könntī nennen.

Die Gewißheit dorthin mündet,
jemand wohlgetan zu haben,
auch wenn man auf Erd^ verkündet,

daß Du handelst wie die Raben.
Bitte um die innīre Kraft,
daß Du kannst auch andīre laben,

wenn Ehrī und Ansehīn mal erschlafft ~.
Wenn keinī Gefühlī am Handeln hangen,
befreitīs Dich aus der irdīschen Haft;

so nur kannst Du das erlangen,
was zur Himmelsfreudī Du zählst.
Laß Dich nicht von Schatten fangen,

die als Lob Du Dir erwählst;
Anerkennung braucht nur der,
- auch wenn Du Dir dies selbst verhehlst -,

welcher psychisch schwach ist sehr,
und der auch nicht erträgt Verlust.
Ich weiß, am Anfang ist es schwer,

zu schleppen gar so argen Frust;
- aber Du bist doch beliebt,
auf Freudī Du nicht verzichten mußt."

Seine Hand in Tom's sich schiebt,
Dankbarkeit ~ gezeigt im Druck;
Fröhlichkeit sich Ausdruck gibt

im Jodler, Luftsprung, gutem Schluck.
"Froh bin ich ob Deiner Rede,
* wolltī, daß es mich nimmer juckī;

lang wirdīs dauern, bis ich jede
Ruhmsucht, Großtun habī erlöst.
Nicht mehr will ich eine Fehde

mit der Seitī, die Furcht einflößt;
* will dīran wirken, daß mein Streben
nach innīrer Stärke nie mehr döst.

* Könnte Unterricht hier geben
allen Menschen, die mir läuten;
ihre Kletterkunst beleben,

auf daß sie sich am Berg erfreuten;
ihrī Gemüter höher heben.
* Muß die Einsicht nur noch deuten."

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