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Kapitel   VIII

Berg und Tal - der Weg geht weiter,
~ mühsam oft, ~ Tom ungewohnt;
zum Glück ist meist das Wetter heiter,

auch manch Gewitter oben thront.
Am Bachlauf sieht Tom eine Maid,
die wohl ihre Füße schont;

erst ganz nahe merkt er`s Leid:
verkrüppeltī Beinī im Wasser baden,
- in dieser Höhī `ne Seltenheit.

Die Augen blicken schuldbeladen,
Tränen feucht in ihnen schwimmen;
* knetet sanft die kurzen Waden,

* kann ihrīn Weg wohl nicht bestimmen.
Tom rückt näher, will er doch
ihr Vertrauen ganz gewinnen;

nachdem sie in seinī Arme kroch,
lindert er die physisch^ Schmerzen;
* versucht, zu fassen sie im Loch:

"Erzählī, was hast Du auf dem Herzen?
Ich hörtī schon vieles, schüttī Dich aus;
ich werdī bestimmt nicht drüber scherzen."

Wie `ne graue, furchtsamī Maus,
zitternd, regt sie ihre Glieder,
schnuppert sie aus ihrem Haus,

- ihre Augen blicken nieder -,
* löst die Wand, die sie erbautī.
"Ach, zurück will ich nicht wieder.

Dort drüben ist die Hüttī, ` so laut,
so kalt und häßlich, voll^ Gewalt ~;
nie habī ich mich dort getraut,

nachdem nur strenge Stimme hallt,
mein Innerstes wem auszuschütten.
Mein Vater oft betrunken lallt;

kann er stehīn, dann will er wüten,
* haut um sich mit Stock und Stein,
* zertrampelt alle schönen Blüten.

Zorn hat er auf mein Gebein,
ē nichts Schönīres er zuweg gebracht =;
auch die Ma, berauscht vom Wein,

hat mich ständig ausgelacht.
* Will die beiden nicht mehr sehīn;
* habī auch oft an Flucht gedacht,

voll Zweifel, diese durchzustehīn
ob meiner schrecklich kurzen Beine.
Zerrissen hat mich all das Flehīn,

und jeden Augenblick ich weine
ob der großen Einsamkeit."
"Wenn ich sagte, īs sei nur Scheine,

glaubtest *, īs wärī nur Narrenheit;
doch merktīst Du, was dahintersteckt,
fühltest Du Betroffenheit.

Wenn das Augī in Dir erweckt ~,
sähest Du die große Flucht,
an der der Schwache gerne leckt:

Alkohol für eine Sucht,
diese Welt nicht zu betrachten.
Irdīsche Härte schlägt mit Wucht

auf ihrī Gefühle, daß sie krachten;
sie stürzen ihren Tempel ein,
den ihrī Gedanken stets bewachten.

Stärke hast *, sonst würdīst * nicht sein
noch immer unter`m Menschentum;
jedoch: Du mußt der Welt verzeihīn,

sonst bleibt Dein Herzchen leer und stumm."
"Erklärīs mir besser, was Du sagst,
denn sonst bleibī ich ewig krumm."

"Natürlich Du jetzt gierig fragst,
wie die Lösung aussehīn könntī;
wenn den schwierīgen Weg Du wagst,

sei der Frieden Dir vergönnt.
Beschwerlich ~, mußt Du Weh erleiden,
und wirst dazu auch noch verhöhnt;

* mußt Dunkles von dem Guten scheiden,
der Peinīger wahre Gründī erschauīn,
die sie fernhält von den Weiden

selīgen Schwelgens ohne Zaun.
Flucht, scheint mir, ist Euer Thema;
jeder fürchtīt, er würdī zum Clown,

und - das ist auch das Dilemma -
getrennt an seinen Strängen zieht.
Verfahren wird nach eigīnem Schema,

in die innīre Welt man flieht;
Rückzug ist nicht angebracht,
zur Lösung soll ertönīn ein Lied.

Bereite Dich auf diese Schlacht:
Mißständī aller anderīn Leute
zu finden in dem eigīnen Schacht;

Fehler nicht nur aus dem Heute,
auch die Mißklängī frühīrer Zeiten
vom Erinnīrungsschatz erbeute.

Du entdeckst Gemeinsamkeiten,
die Du hast schon überwunden,
und bemerkst Gelegenheiten,

vereint, Defektī zu überrunden.
Hast Du erkannt: wir sind allī eins, -
kann Verzeihung Dir auch munden.

Die Gestalt des goldīnen Hains
wird in Deinem Innerīn wach;
besitzst an Gütern Du auch keinīs

beschützt Dich doch ein himmlisch^ Dach.
Kämpfst Du nimmermehr darum,
zu ändern all die irdisch^ Sach^,

- die Welt macht deshalb auch nicht 'Bumm' -,
dann wirst * Deinīn eigīnen Weg beschreiten.
Und gehīn mal schlimme Dinge um,

sollst den Fortschritt Du bereiten
anstatt zu rennen gegen Wändī:
dies brächtī hervor nur Grausamkeiten.

Vergebung ist die große Wendī,
die Dich zu dem Frieden führt,
nach dem sich strecken alle Händī.

Nur im Herzen wirst * gekürt,
diese Gnade zu empfangen;
wird auch irdīscher Krieg geschürt,

von Deinem strahlend^ Glanze prangen
Banner echten Eintrachtsdenkens;
dies früher schon die Yogis sangen.

Achte sehr das Heil des Schenkens
ohne Forderung^ zu stellen;
und die sanfte Macht des Lenkens,

- als Vorbild Finstīres zu erhellen.
Mit der Kraft in Deinem Kern
kannst Du die Entscheidung fällen:

zu verstehen Deine Herrīn,
zu verzeihīn, vielleicht zu retten,
dadurch weckend Deinen Stern;

oder in die Erdī sich betten,
blind wie`n Wurm, und ausgesetzt
allem Unheil dieser Stätten."

"Ein himmlisch^ Hauch hat mich benetzt;
ich werde nun nicht länger ruhīn,
- sogar wenn man mich oft verletzt -,

die innerīn Augen aufzutun,
und die Trennung aufzulösen.
* Verlaßī mich nicht auf Kart^ und Run^;

* betrachte ganz genau die Bösen,
ohnī `s Gemüt daran zu fesseln.
* Wärī schön, ich schufīīs zu wahren Größen.

Nun jedoch pflückī ich die Nesseln,
um zu kochen eine Suppe;
`s Wasser brodelt schon in Kesseln."

"Behaltī auch ruhig Deine Puppe,
sprich zu ihr, dann bist * befreiter.
Und nimm auch alles vor die Lupe."

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