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Kapitel   XIV

Am nächsten Abend, īs war schon spät,
um Unterkunft Tom hat gefragt;
vor einem alten Haus er steht:

die Fenster, Mauern sind betagt,
es bessīre Zeiten sicher kanntī.
Die Wirtin, fast sie scheint verzagt,

Farben auf `ne Platte bannt.
"Auf dieses Werk, das Du hier machst,
bin ich nun einmal gespannt.

Mit wildem Pinselstrich entfachst
Du wohl ein kleines Bild aus Dir;
schön, wie Du dabei auch lachst."

Der Stunden warenīs dann noch vier,
bevor die Arbeit ist beendet.
Tom, der nach `nem kühlen Bier

sich der Künstlerin zuwendet,
betrachtet alles ganz genau:
"Das Licht im Bild mir Freude spendet,

- und doch, wenn ich exakter schauī:
irgendetwas fehlt hier doch,
das alles wirkt ein wenig lau.

Von Lebenskraft ich nichts mehr roch;
īs ist wie das Wasser vom Geysir,
das zurückfließt in sein Loch."

"Kannst Du sehen, wie das Hier
sich im innerīn Wert ausdrückt?
Wenn das stimmt, so hilft es mir,

zu klärīn, was mich nicht sehr beglückt:
frühīre Werke, die ich maltī:
- alle Leute warīn entzückt.

Doch nun Schweigen hier drin hallt;
die Galerie bleibt stumm und leer,
versuchtī ich auch mal mit Gewalt,

zu bringen manche Menschen her.
Diese Kenntnis in mir brennt,
es durchbohrt mich wie ein Speer.

Ich sehī, wie Unheil zu mir rennt,
- all mein Schaffen wird gelähmt.
Jeder mich `ne Meistīrin nennt,

dennoch fühlī ich mich beschämt,
weil nimmer Bilder ich verkaufe.
Dies mich allzusehr oft grämt.

Wie vom Regen in die Traufe
kommt der weitīre Weg mir vor.
Doch jetzt zeigī ich Dir 'Die Taufe',

mein erstīs Gemäldī, das ich beschwor;
vielleicht kannst * einen Rat mir geben,
daß zurück ich findī zum Tor."

"Die Malerei hier zeugt vom Leben,
wenn auch technisch unvollkommen;
kann es nicht was Schönīres geben,

wenn * den Gipfel hast erklommen,
welcher Glück und Liebī ausstrahlt?
Neuīre Werke sind verschwommen,

Natürlichkeiten ~ übermalt;
wiederholt ist alles nur,
dieses macht sich nicht bezahlt.

Fließen müssen Künste pur,
zum König wirst Du dann gekürt;
ansonsten wandelst * auf der Spur,

die zum Untergang hin führt.
Repetierung allzuoft
wird durch Hochgenuß geschürt,

welchen man in sich erhofft,
wenn am gleichen Punkt man steht.
Die Werte werden dann verzofft.

Alt^ Gewässer in `nem Beet
bringt die Fäulnis nur hervor;
man besser immer vorwärts geht,

um mitzutun im geistīgen Chor.
Stetig Neues zu gestalten
führt Dich niemals mehr ins Moor."

"Ich wolltī, ich könntī die Kräftī entfalten,
auszuschreiten frisch und froh,
- so wie andīre Meister malten -,

nicht mehr sitzend auf dem Klo;
neue Gipfel zu erstürmen,
andīre Ebīnen, sowieso.

Werke sollīn sich in mir türmen,
die ich weitergeben kann;
* will die Götter nicht erzürnen,

weil Verkehrtes ich ersann.
* Will so gerne mich vergießen,
wie das Wasser aus `ner Kannī;

die Energieen mich verließen,
zu kämpfen um die innīre Welt.
Die alten Werte mich umschließen,

was meine Seelī gefangenhält;
im Schaffen fühltī ich früher Liebe,
heute wirkī ichīs mit `ner Kältī."

"Beobachtī Deine innerīn Triebe,
sieh dabei gelassen zu;
` Angst, Du könntest kriegen Hiebe,

bette in `ne lichtvollī Truhī.
Beginnī, die Wahrheit zu verkünden,
- der Krieger in Dir bist nicht Du -:

Erfahrung aus Deinīn frühīren Sünden
als Weisheit in die Welt gebracht.
* Wirst die Herzen allī entzünden,

die sich auf den Weg gemacht =;
`ne Lehre kannst Du ihnen geben,
wie man umgeht mit der Macht.

Erkenne erst das innīre Streben,
- eine Stimmī ertönt in Stille -,
dann gehī dīran, die Schätzī zu heben,

` dargereicht ~ wie eine Pille,
die ein jeder schlucken mag.
Stehe aufrecht in der Zille,

- allso wie in alter Sagī -,
die im Seelenmeere schwimmt.
Dämmert Dir das Werk vom Tag,

welches Dir ist wohl bestimmt,
laß es durchführīn von dem Teil,
der von Dir dafür getrimmt ~.

Haltī nicht selber dieses Beil,
welches man zur Arbeit schwingt,
dann erfährst Du dieses Heil,

welches große Freude bringt.
Abseits stehend tust Du doch,
was als Tätigkeit man singt,

frohen Herzens Wochī um Wochī,
als wärīnīs die engsten Wünsche Dein;
abgeschirmt und ohne Loch

gegen irdisch-sinnlich^ Schein,
wirkt durch Dich `ne höhīre Macht,
die benützt nur Dein Gebein

in der ewīgen alten Schlacht.
Selber siehst * der Siege vielī,
die, durch Dich gewirkt, entfacht ~;

* erblickst Dich mitten in dem Spiel,
doch unberührt vom Erd-Gehabī.
Dein Körper ist der lange Stiel,

welcher einbricht in jedīs Grab;
das Bewußtsein schaut die Wonne,
welche ist die weise Gabī,

stehst Du in der Geistessonne.
Halte Ausschau nach dem Krieger
daß er ständig in Dir wohne,

denn nur er ist dieser Sieger,
der durch Dich die Macht erhält,
allīs zu schaffen wie der Tiger.

Die Entscheidung hast * gefällt,
- zu Geist oder Mater^ man geht -,
wen als Herrn Du Dir gewählt =."

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