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Kapitel   XVI

Der Boden muß sehr fruchtbar sein,
über welchen Tom nun schreitet;
schwarze Erde, wilder Wein,

alles ~ vor ihm ausgebreitet
in der Felder schön^ Gefüge.
Dazwischen manche Schlange gleitet,

- arbeitender Menschen Züge -,
um`s Erdreich lieblich zu gestalten;
- fein geformte Höhenflüge,

die Natur uns zu erhalten.
Ökologisch´ Gleichgewichte:
strebsam wollen sie´s verwalten.

Unter einer großen Fichte,
die im kleinen Orte steht,
ertönen Klänge, helle, lichte,

die, alsbald vom Wind verweht,
jedes Herzchen wohl anrühr´n.
Eine Frau genügsam näht,

sicher um ihr´ Freud´ zu schür´n,
sitzend neben einem Spielmann.
Sein´ Musik, das kann man spür´n,

regt die inner´n Kräfte an,
mit der Harmonie zu schwingen,
daß man`s Leben finden kann.

Viele Melodien erklingen,
wo Natur ward eingefangen;
die Gemüter mit ihr singen,

ohne Zagen, ohne Bangen.
In den Pausen zwischendrin:
ein kurz^ Gespräch wird angefangen

mit viel Lachen in der Mien´;
Themen gibt´s dafür gar viele,
alles was ihm kommt in`n Sinn.

Vielfach sind es auch nur Spiele
- Würfel zwischen ihnen rauschen -
mit dem einen großen Ziele,

sich mit Menschen auszutauschen.
Immer wieder Leute weilen,
um dem Liede fein zu lauschen;

manche sich nicht sehr beeilen,
zu ihrem Werk zurückzukehren;
and´re wandern viele Meilen,

um zu hören diesen Stern,
der ihnen hier so fröhlich scheint.
Seine Weisen sind wie Fähr´n,

damit es wird im Mensch vereint
die Außenwelt und Innenwelt.
Gelegentlich dann einer weint.

Tom zu ihm sich nun gesellt,
er hat´s schon lang von fern betrachtet:
"Ich komm´ zu Dir ins Baumeszelt,

das da wird so sehr beachtet;
* danke für die schönen Lieder,
die zu Hören Ihr mir brachtet.

* Hoffe, daß wir seh´n uns wieder,
zu erfreu´n mich Deines Schalles."
"* Hab´ hier ständig meine Glieder,

was ich brauch´, bekomm´ ich alles:
Wasser, Brot, und auch ein Bett;
* bin der Spielmann dieses Tales.

Sicher werd´ ich hier nicht fett
ob der Abgeschiedenheit;
aber Menschen sind hier nett,

das bedeut´t mir Seligkeit.
* Hab´ erforscht den Lebensgeist,
*= mich vom ird´schen Zwang befreit;

mein´ inn´re Melodie mich weist,
diese Klänge aufzuführen.
Das Treiben rund um mich beweist,

auch ohne Flöten oder Lyren,
daß irgendwas sie hierhertreibt,
daß sie irgendetwas spüren."

"In den Menschen ständig reibt
irgendeine Bitte, Not;
Dir nichts and´res übrigbleibt,

° zu gucken in den engen Schlot,
der aus ihrem Herzen wächst.
Beachte diese täglich^ Bot^;

mancher gar sehr d´runter ächzt,
sein allzuschweres Kreuz zu tragen;
dieser nur nach Lösung lechzt,

ohne Dich direkt zu fragen.
Ich seh´ in Dir, daß Du nicht weißt,
was Du ihnen könntest sagen,

wie die Antwort für sie heißt;
hör nur zu auf die Beschwerden.
All ihr Sehnen darum kreist,

eine Spannung loszuwerden;
doch sie plappern nur drauf los,
so wie Schafe, Rinderherden,

und seh´n nicht in ihrem Schoß
den wahren Grund der inn´ren Schmerzen.
* Mußt erschauen diesen Kloß,

welcher steckt in ihren Herzen;
* mußt dies lange Zeit studieren,
bis D´ entzünden kannst ihr´ Kerzen.

Die äuß´ren Red^ nur konzentrieren
all ihr Denken auf die Wunden;
das Gehirn kann nur sezieren,

der wahre Hintergrund ~ entschwunden.
Du mußt in die Tiefe blicken,
wo Energieen noch entbunden ~;

zu ihren Seelenkräften nicken,
auf daß sie ihr Gewirk kundtun;
diese Stück´ zusammenflicken,

um im friedenvollen Ruh´n
die Verdrehung rauszufinden,
die läßt handeln sie wie`n Huhn.

Abschäl´n muß man viele Rinden,
zu durchdringen ird´schen Schein;
mehr Stärk´ braucht´s, willst Du entwinden

die Verhaftung in ihr´m Sein.
Nach ihr´m Herzen mußt Du strecken,
- unpersönlich wie ein Stein -,

Deinen forschend^ Geist, zu wecken
das erkenntnisvolle Streben;
schließlich wirst Du dann entdecken,

welche Kräfte daran kleben,
an der Macht, die ist noch rein;
durch das Suhl´n in Erdengräben

entsteht dadurch die große Pein.
Ohne Urteil mußt Du schauen,
damit Du siehst das Wirken rein."

Inzwischen Kinder und auch Frauen
neben diesen beiden sticken.
"Endlich wirst Du Dich auch trauen,

an jenen geist´gen Ort zu blicken,
welcher in Dir selber ist.
Erkennen wirst Du Dein Verstricken

mit dem Leben, das Du bist,
wenn im tiefen Grund der Seele
im eig´nen Herzen Du nun liest.

Du gehorchst schon dem Befehle,
den die inn´re Stimm´ Dir gibt;
auch ertönt aus Deiner Kehle,

wie uns all´ das Leben liebt.
Nun erkenne diese Macht,
die uns Menschen treibt und schiebt;

was in uns denn ist entfacht,
daß trotz Leid wir weiterwühlen.
Lang ist dieser dunkle Schacht,

- davon gibt´s viele, * kannst es fühlen -,
der da führt zum reinen Sein."
Des Baumes Schatten beide kühlen.

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