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Kapitel   XVII

Das Land ist nun wie die Prärie,
welches Tom g´rad´ froh betritt;
die Erde ist voll Energie,

* strömt in ihn bei jedem Schritt.
Fällt ein wohlig warmer Regen
aus des Himmels Wolkenmitt´,

ist´s dem trock´nen Boden Segen:
alles Leben gut gedeiht;
* siehst die Blüten sich bewegen,

schon der Herrlichkeit geweiht;
köstlich^ Wasser aus den Höh´n
den Wesen Lebensgeist verleiht.

Momentan weht warmer Föhn,
- die Luft ~ so klar, die Berg´ ~ so nah,
der Anblick ist gar wunderschön.

Auch ist `ne alte Kultstätt´ da,
gebildet aus gar großen Steinen;
sowas Tom schon öfter sah.

Er hört im Zentrum jemand greinen:
ein kleines Mädchen, ach so zart,
muß den Tod des Hund´s beweinen,

in den ihr Herzchen war vernarrt.
`Ne Schamanin, alt und grau,
in ein off´nes Feuer starrt;

* öffnet sich der inner´n Schau;
* lehnt im Sessel sich zurück,
spricht mit einer Stimme, rauh:

"Dein Hund geht über eine Brück´,
um als Mensch zu Dir zu stoßen;
dauern wird´s noch gar ein Stück,

sonst es geht ihm in die Hosen."
Ein´n Gesang sie dann anstimmt,
daß die Laute nur so tosen,

- indianisch ist´s bestimmt,
von den Ahnen übernommen -,
bis das Feuer nur noch glimmt.

Dann auch and´re Leute kommen,
sie um Hilfe bald beschworen;
* wirken irgendwie beklommen,

aus Ängsten, Nöten rausgeboren.
Einer tritt aus dieser Meute,
setzt sich vor sie, unverfroren:

"Ich wittere hier fette Beute;
jeder kommt, um Rat zu suchen,
- an die zwanzig sind es heute -,

ich wette, ² Du wirst nichts verbuchen,
was Du eingenommen hast.
* Willst nichts geben von dem Kuchen,

den Dein Sparstrumpf wohl umfaßt."
"Nichts ich hab´, und * glaubst mir nicht,
nur weil Dein´ Frau viel Geld verpraßt."

Sogleich sie wendet sich vom Wicht,
um zu winken einem Mann,
der machet ein betrübt^ Gesicht.

Er kurz sein Leiden ihr vorspann,
erzählend von dem großen Schmerz,
den er selbst in seinem Wahn

trägt so schwer in seinem Herz.
Schamanenaugen blicken blau
eine Weile himmelwärts,

dann verkündet diese Frau:
"Deine Ängste, zu verlieren,
bilden diesen großen Stau.

Machst * so weiter, kommen Viren,
die in Gang `ne Lähmung setzen;
* kannst dann nur noch vor Dich stieren.

Verschenke doch die öden Fetzen,
die and´re Leute so begehren;
* brauchst auch gar nicht so zu hetzen,

um die Last noch zu beschweren.
Ruhe ist für Dich vonnöten,
Siege lasse starken Bären;

der Chef bezahlt Dir Deine Kröten,
auch wenn Du nicht der Beste bist.
* Mußt nicht ständig um ihn flöten,

damit er Dich auch nicht vergißt."
Mit Puderzucker stäubt sie ihn,
ein kurzer Tanz an dieses schließt,

dann verzieht sie ihre Mien´,
um ihn heftig auszulachen.
Anfangs wollte er entflieh´n,

dann läßt auch er es richtig krachen:
"Schön ist´s, mal Verlierer z´ sein;
* machst wohl immer solche Sachen?"

Weiter wirkt sie, zu befrei´n
manches Menschen bitt´re Not,
welche drücket das Gebein,

welch´ zu übermannen droht
jedes Fühlen und auch Denken
und zurückläßt jemand tot.

Stets versuchte sie zu lenken,
daß der Mensch mal darauf schaue,
wo Gedanken sich verrenken,

und darauf nun die Lösung baue,
um die Pein mal zu beenden.
Bei der Menge war´n auch Schlaue,

welche spielend konnten wenden
ihrer Worte Sinn für sie.
Sie gingen fort mit leeren Händen,

denn die Red´ erreicht´ sie nie;
weil der Verstand dann ihren Sätzen
`nen anderen Gehalt verlieh.

Die Frau gar wollte sich nicht wetzen
mit deren guter Spracheskunst.
Manch And´rer spürte arg^ Entsetzen,

entschwebend wie ein leichter Dunst,
ob ihrer Umschweiflosigkeit;
sie verscherzten sich die Gunst,

die märchenhaft´ Gelegenheit,
in den Tiefen mal zu loten.
Sie schafft so bis zur Schlafenszeit.

Als die Nacht bringt ihre Boten,
und Tom bereit´t die Liegestätt´,
bietet sie von ihren Schoten,

- sitzend auf ihr´m eig´nen Bett -,
Tom ein Abendessen an:
"Manchmal ist es richtig nett,

zu treffen einen weisen Mann,
der die Welt von mir versteht
und weiß, daß ich nicht zaubern kann.

Oft schon hab´ ich drum gefleht,
all dies besser auszudrücken,
was in mir als Bild entsteht.

Hätt´ ich doch, ach, bess´re Brücken,
dies der Umwelt mitzuteilen;
sie empfänden das Entzücken,

in der Geisteswelt zu weilen,
und mit Hilfe aller Seelen
an der Lösung rumzufeilen.

Aber Worte mir noch fehlen,
um den Menschen klar zu zeigen,
was sie selber sich verhehlen;

wohin sich ihre Ängste neigen;
was ihr wahres Wirken wäre,
wohin die Wünsche sich versteigen.

Die Sprache ist mir eine Lehre,
die ich wohl noch leisten muß,
damit die Red´ geht nicht ins Leere,

sondern gibt `nen göttlich^ Kuß.
Langsam nimmt sie ihren Lauf,
indem ich setze Fuß vor Fuß."

Stille schweigend, wie `ne Tauf´,
ob ihrer geist´gen Sympathie
legt Tom nur seine Hände auf.

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