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Kapitel   XX

So schreitet Tom nun steil bergauf,
* will die Mutter noch besuchen,
die ihrīn Töchtern war `ne Taufī.

Rastend unter großen Buchen
bald ein Bauer zu ihm spricht:
"Ich warne Dich, sie kann verfluchen,

ģ* machst ihr auch ein schönīs Gesicht.
`Ne Hexe ist sie, * habīs gehört,
welche ärgert jeden Wicht;

dem Nachbarn ist die Kuh gestört,
seitdem die Frau bei ihr dort war.
Achtī nicht, was wer andīrer röhrt,

wer sie besucht, der ist ein Narr."
"Eine Heilige ist sie!",
ereifert sich `ne Alte gar:

"Nichts schafft sie mit Deinem Vieh!
* Warst ja selber mal bei ihr,
als Duīs hattest mit dem Knie.

Schuld daran ist nur der Stier,
der gar so wild auf Kühe ist."
Bald darauf, da sindīs schon vier,

die reden über Ziegenmist,
über Hunde, über Hennen,
ob der Kuh, die soviel frißt.

Tom, der könnte wahrlich flennen
ob der großen Streiterei,
würdī er nicht die Wahrheit kennen,

diesen angstvoll stummen Schrei,
wenn man Unverständlichīs sieht.
Tom ißt fertig Brot und Ei,

woraufhin er dann weiterzieht.
Am Himmel steht schon ein Gewitter,
dīrum er in `ne Almhüttī flieht.

"Das lange Leben ist schon bitter.",
ihm `ne Sennerin erzählt:
"* Hattī mal einen blonden Ritter.

* Hat `ne andīre Braut gewählt
und mich mit`m Kind allein gelassen.
Der Vater hat ihm sehr gefehlt.

* Konnte ihn dann nur noch hassen.
Die alte Hexī am Berg dort droben
hat geholfen, mich zu fassen,

als ich wollte nur noch toben.
* Hat so das Leben ihm gerettet."
* Schiebt ins Maul `nen großen Kloben

frischen Brotīs, dick eingefettet.
"Das Wetter ist nun gleich vorbei;
* habī mit`m Senn darum gewettet."

Bald steht Tom, gar frisch und frei,
vor der ururalten Kate,
die der "Hexe" Wohnung sei.

Die alte Frau sich ihm nun nahte:
"Ich weiß, meinī Kinder sahest Du;
trink mit mir `ne Tasse Mate,

nachher plaudern wir in Ruhī."
Tom erzählt kurz von der Reise,
was ihm stieß da alles zu;

* singt auch eine alte Weise,
die der Spielmann ihn mal lehrte.
Gelabt nach einer kleinen Speise:

"Du bist gar eine vielgeehrte,
aber auch gefürchtetī Frau;
* lebst nur Deine innerīn Werte,

ohne abzuziehīn `ne Schau.
Welch ein hocherfahrīner Geist
wirkt durch diesen Körperbau?

Das Getratsche hier beweist,
daß Du schaffest unberührt,
was die Seele Dich hier heißt.

* Hast `nen langen Kampf geführt,
bis solch große innīre Stärke
Dich zur Herrin hat gekürt."

"Verglichen mit manch anderīm Werke,
welches Heilige getan =,
ist meinīs gering, so ich das merke,

- stehī ich da wie`n kleiner Mann.
* Bin noch dabei, das auszuloten,
was man niemals sehen kann;

* habī der Seelenkraft geboten,
daß sie wird dem Schauen offen,
auf daß man legt in meine Pfoten

das eine Wort, das macht betroffen,
das allseits großī Mysterium.
Ich weiß, ich kann mir nicht erhoffen,

solangī ich bleibī im Menschentum,
dies auch wirklich zu erfahren.
Ich bin vereint im Heldentum,

mit den allseits weisen Scharen,
mit den Heiligen der Zeiten,
vereint im Geist, dem wunderbaren,

dem Geist, die Wahrheit zu verbreiten.
Doch ist in mir `n bestimmter Teil,
den ich muß verarbeiten,

der mir bringt das große Heil,
- ~ mein Beitrag für die Ganzheits-Seele,
an dem ich nun schon lange feilī -,

der mich mit dem Ort vermähle,
welcher ohne Zeiten ist.
Noch lausche ich auf die Befehle,

es durch die Körper weiterfließt;
durch der Seel^ Gemeinsamkeit
sich der Kreislauf wieder schließt.

Noch ist`s Geheimnis nicht befreit,
das im Innersten der Kerne
wartet auf Gelegenheit,

zu erstehīn in meinem Sterne.
Das letzte aller Rätsel gar
winkt mir noch in weiter Ferne."

"Dem großen Eins bist Du noch bar,
wo nicht nach innen hört der Sinn,
sondern ES wirkt, immerdar;

jenes vielbenutztī 'Ich bin'.
Der Persönlichkeit enthoben
zeigt man stets nur jene Mienī,

die der Welt, die so verwoben ~,
den besten Weg nach Hause zeigt.
Das Bewußtsein, drinnen - droben,

nie zur Erdhaft runtersteigt;
sich, obwohl es`s selber ist,
vor dem Allseits-Geist verneigt."

"Ist nun das 'Ich bin', 'Du bist',
nicht einzig und dasselbe dort?"
"Beides aus der Quelle fließt,

welches ist das eine Wort;
beides Ausdruck sich verleiht,
als wärenīs ganz verschiedīne Sort^.

In der Welt istīs Zweisamkeit,
ungleichī Fäden im Gewand,
trotzdem lebt man Einigkeit,

jeder eben in seinīm Land.
Die Gestalt der innerīn Brückī
bereichert unser Seelenband.

Am Endī vergißt Du auch das Glück,
das lange Zeiten war das Ziel,
denn Du selber bist ein Stück,

das zur Erde niederfiel,
welches ist das reine Licht."
"Komisch ist gar dieses Spiel,

daß ich weiß so lange nicht,
was als Wahrheit in mir steckt;
und bin ich dann die innīre Schicht,

sind alte Werte abgedeckt."
"So nimmt es nun einmal den Lauf;
Sei froh, daß Du bist schon erweckt."

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