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Des Königs Garten

Es war einmal ein Apfelbaum, der war schön groß und stark, und er trug wunderbare Früchte. Der König dieses Landes liebte diese Äpfel gar sehr, weil sie wirklich die besten weit und breit waren. Darum beschloß er, daß man die Samen sammle und überall auf seinem Gut anpflanze.

Dies geschah, und anfangs, als die Bäumchen noch klein waren, ging alles noch gut. Aber schon bald hatte man Mühe, sich zwischen den Pflanzen hindurchzuzwängen. Der König wollte jedoch keinen einzigen seiner Bäume verlieren und hörte nicht auf die Ratschläge seiner Minister.

Daher kam es soweit, daß dieses Gewirr aus Ästen und Stämmen kein Mensch mehr durchdringen konnte. Äpfel konnte man nur noch am Rand dieses Dickichts ernten, nur einigen Wagemutigen gelang es, weiter nach innen vorzudringen, indem sie von Baumkrone zu Baumkrone sprangen.

Auch die Bäume hatten immer mehr Schwierigkeiten, genügend Licht, Wasser und Nährstoffe zu bekommen, und sie wurden krank. Als dann in einem Dürrejahr eine Plage mit winzigen Insekten kam, starben sie alle.

Der König war sehr traurig darüber und ließ das Dickicht roden, um auf der frisch gepflügten Erde neue Apfelbäume zu säen, denn Samen hatte er noch. Er beschloß auch, daß sie weiter auseinander stehen müßten; Erfolg war ihm aber nicht mehr beschieden.

Die Apfelkerne keimten wohl und streckten einige Blätter ins Licht, doch dann verkrafteten sie den ausgelaugten und mit Insektenlarven verseuchten Boden nicht mehr und gingen ein.

In diesen schweren Tagen begab es sich, daß der König Nachricht erhielt, in fernen Reichen würden solche Äpfel auf dem Markt verkauft. Daraufhin wurde er so zappelig, mehr zu erfahren, daß er sich selbst auf die Reise begab.

Nach einer geraumen Weile kam er in das Reich eines Sultans, und ihm gingen schier die Augen über vor den Herrlichkeiten der gepflegten Parks und der Köstlichkeiten, die überall angeboten wurden. Es herrschte überall eine so bunte Vielfalt, daß man gar nicht wußte, wo man mit einer Aufzählung der Dinge, Pflanzen und Tiere beginnen sollte, da sich an jedem Platz etwas Anderes befand, und man lange nach etwas Gleichem suchen mußte.

Als der König zum Sultan mit der Bitte um Hilfe kam, hatte er großes Glück, denn in diesem Land lebte ein Gärtner, dem das Klima hier ständig zu heiß war, und der gerne bereit war, in ein fremdes Reich zu ziehen.

So begab es sich, daß der König mit dem fremden Gärtner in sein Land zurückkam.

Aus der Freude über seinen neuen Helfer ward aber alsbald Verärgerung, denn überall, wohin er in seinem Reich blickte, gedieh nur Unkraut, welches er haßte. Auch wenn ihn der Gärtner immer wieder bat, einige Jahre Geduld zu haben, so war er doch nahe daran, ihn zu entlassen. Auch seine Untertanen hatten dadurch schwere Zeiten. Selbst seine Familie konnte ihm nichts mehr recht machen.

Der Gärtner, der einige gute Freunde unter den Pflanzengeistern hatte, bat sie, sie mögen dem König irgendwie helfen, sodaß sein Reich nicht gar so leide.

Die Geister waren zuerst selber ratlos, aber dann kamen sie auf die Idee, ihm Bilder zu schicken; vorerst in schönen Träumen, später auch tagsüber. Der König beruhigte sich zusehends, aber er schien auch sehr verwirrt zu sein, denn oft sprach er, wo niemand zu sehen war. Es gingen sogar Gerüchte um, daß er verrückt geworden sei.

Mit seinem Reich ging es in dieser Zeit wieder bergauf, darum war ihm das Volk wohlgesonnen. Die ersten Bäume kamen wieder zum Vorschein und brachten bald Früchte, und es gab nicht nur Apfelbäume, sondern sämtliche Arten von Pflanzen, bekannte und auch unbekannte.

Als das Land ein einigermaßen buntes Bild bot, hörten die Geister auf, dem König Bilder zu schicken. Dieser wurde zuerst melancholisch, da er sich sehr danach zurücksehnte. Doch dann begann er langsam, die Träume, die er in seiner Erinnerung fand, zu verwirklichen. Und alles gedieh sehr gut, denn jedes Teil wurde an seinen richtigen Platz gegeben, den es benötigte, und harmonierte mit der Umgebung.

Mit der Zeit wurde dieses Reich in weitem Umkreis berühmt, und viele Fremde kamen, um zu lernen.

So geschah es, daß, was mit großem Unwissen begann, mit großem Wissen endete.

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