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Die Reise der Nixe

Es war einmal eine kleine Nixe, die lebte in einem Tümpel mitten in den Bergen. Eines Tages kam ein Rabe zu ihr und erzählte vom Meer, wie groß und weit es sei, und daß es dort viele, viele Meeresbewohner gäbe. Ganze Paläste voll mit Nixen, und richtige Delphinstädte.

Die kleine Nixe, Ira nannte man sie, bekam Sehnsucht nach diesem Ort, der ja wunderschön sein mußte. Doch wie sollte sie dort hingelangen, schließlich konnte sie nicht fliegen, sondern nur schwimmen. Auch an Land war sie ziemlich unbeholfen.

Also fragte sie ihre Freundin, eine kleine Bergelfe, um Rat. Leider wußte sie auch keinen, doch wollte sie den weisen Zwerg suchen, der mit seiner Großfamilie im Berg lebte. Und wirklich, drei Tage später kamen die Elfe und der Zwerg zu ihr.

Er erzählte von einem mächtigen Fluß, der tief unter dem Berg floß, um nach vielen Meilen ans Tageslicht zu treten und sich mit vielen anderen Flüssen zu vereinigen. Nach einer schier unendlichen Strecke mündet er dann ins große Meer.

Ira verabschiedete sich von der vertrauten Heimat und gelangte schließlich mit hilfreicher Unterstützung ihrer Freunde zu dem besagten Fluß tief im Berg. Nun mußte sie auch all ihre Bekannten zurücklassen und allein eine unbekannte Welt betreten. Die Elfe gab ihr noch ein Abschiedsgeschenk, einen Zauberring: wann immer sie den Ring dreimal herumdrehte träumte sie in der folgenden Nacht von der Heimat.

Das Wasser floß träge dahin, und die Nixe ließ sich die meiste Zeit treiben. Es war stockdunkel, und die Umgebung bot überhaupt keine Abwechslung, so blieben ihr nur ihre Träume. Nach vielen Tagen, als Ira schon fast die Hoffnung verlor, kam sie plötzlich in eine Welt, die sich total von ihrer bekannten unterschied.

Nur in der Ferne waren einige Berge und Wälder zu sehen, ansonsten sah sie nur Wiesen und Felder mit ein paar Büschen dazwischen, wohin sie auch blickte. Sie entdeckte auch einige Menschen, diese Rasse kannte sie nur vom Hörensagen, die offensichtlich auf den Feldern arbeiteten. Da Ira nicht auf sich aufmerksam machte, trieb sie unbemerkt vorüber.

Später bemerkte sie auch Häuser, und ganze Dörfer. Hin und wieder glitt sie dann unter einer großen Brücke hindurch. Manchmal waren Boote auf dem Wasser, und oft hatten die Menschen darin lange Schnüre mit Haken. Ira schwamm ihnen lieber aus dem Weg, da sie ihr nicht ganz geheuer waren.

Die Vegetation wurde immer weniger, und später sah sie wochenlang nichts anderes als Sand mit gelegentlichen Unterbrechungen, die wie grüne Inseln im weiten Gelb wirkten. Oft traf sie auch auf Fische, doch sie waren durchwegs alle nicht gesprächig, und oft auch äußerst verängstigt oder aggressiv.

Schließlich gelangte sie über ein paar große Wasserfälle, was ihr einen Heidenspaß bereitete. Die Vegetation wurde anschließend wieder dichter, und bereits aus der Ferne sah sie ein Dorf, tausendmal und mehr mal größer als jedes, das sie bisher gesehen hatte.

Da sie in der Vergangenheit nie Schwierigkeiten gehabt hatte trieb sie auch diesmal gemächlich im Wasser dahin. Doch da hörte sie von einer Brücke den Ruf: "Eine Nixe! Ergreift sie! Verbrennt sie!", und alsbald waren die Ufer voll von Menschen mit Netzen und Waffen, die zu ihren Booten strömten.

In allerletzter Sekunde konnte sich Ira durch ein schmales Rohr , das sie zufällig entdeckte, retten. Doch nun saß sie in einer stinkenden Brühe, die ihr das Atmen von Augenblick zu Augenblick schwerer machte. Was sollte sie tun? Eine Kanalratte kam ihr zu Hilfe, doch nicht ohne Gegenleistung. Das einzige, das sie besaß, den Zauberring, tauschte sie gegen eine Führung durch das stinkende Labyrinth bis ans andere Ende der Stadt. Als sie schließlich wieder zurück ins Flußwasser glitt, glaubte Ira fast erstickt zu sein.

Sie mußte noch mehrere solcher Städte passieren. Doch da Ira in ihrer Weisheit dabei lieber ganz tief tauchte und somit unsichtbar war, blieb sie unbehelligt.

Nach der siebten geschah es, daß sich der Boden noch tiefer auftat, und das Wasser salzig wurde. Auch kam ihr ein freundliches Wesen entgegen, das sie noch nie gesehen hate. Es stellte sich als Delphin vor.

Freudig stellte Ira nun fest, daß sie an ihrem Ziel, dem Meer, angelangt war. Doch ging es nun weiter. Der freundliche Delphin geleitete sie drei Tage lang zu einer Unterwasserburg, wo sie auf viele ihresgleichen stieß, welche sie freundlich in ihrer Mitte aufnahmen.

Da sie eine gute Stimme hatte, sang sie ihnen Lieder aus ihren Bergen vor, und es kam sehr gut an, da diese Weisen an diesem Ort völlig unbekannt waren.

Dann kam eines Tages ein Delphin vorbei mit einem Ring, den er von einem Fisch hatte, der eine tote Ratte gefressen hate - es war der Zauberring der Elfe. Nun konnte Ira wieder in ihren Träumen mit den Freunden ihrer Heimat zusammenkommen, was ihren Gesangskünsten schließlich eine besondere Note gab, und Ira auch für andere Nixenburgen begehrenswert machte.

Wenn Du still am Meer lauschst, vielleicht hörst Du sie ja einmal singen.

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